News vom 01.07.2020

EnergieAgentur.NRW | Projekt des Monats | Juli 2020

Nachhaltige Mineralwasserproduktion bei RheinfelsQuellen in Duisburg

Familienunternehmen gestaltet energieintensive Abfüllung von Millionen Flaschen pro Tag mit zwei BHKW umweltfreundlich

Michael Michailidis, Leiter Gesamtlogistik und Herr Heino Hövelmann, Geschäftsführer der Getränkegruppe Hövelmann mit dem neuen E-Gabelstapler des Unternehmens vor den Ladestationen. 
Foto: RheinfelsQuellen

Michael Michailidis, Leiter Gesamtlogistik und Herr Heino Hövelmann, Geschäftsführer der Getränkegruppe Hövelmann mit dem neuen
E-Gabelstapler des Unternehmens vor den Ladestationen. Foto: RheinfelsQuellen

Über 210.000 abgefüllte Flaschen pro Stunde, ein Betriebsgelände so groß wie 33 Fußballfelder und 650 Mitarbeiter – für diesen Großbetrieb braucht die Firma RheinfelsQuellen H. Hövelmann GmbH & Co. KG eine Menge Energie. Schon früh war für das 1905 in Duisburg gegründete Familienunternehmen Nachhaltigkeit ein großes Thema, auch um naturnahe Orte, wie die Quelle des Mineralwassers im Naturschutzgebiet Rheinaue, für künftige Generationen zu erhalten.

So geht moderne Lagerlogistik: Die Palettentransporte werden von zwei Elektrohängebahnen übernommen.
Foto: SSI

So geht moderne Lagerlogistik: Die Palettentransporte werden von zwei Elektrohängebahnen übernommen.
Foto: SSI

Deshalb setzt das Unternehmen auf eine klimafreundliche Eigenstromerzeugung durch ein betriebseigenes BHKW, welches unter anderem die E-Gabelstaplerflotte mit Strom versorgt. Seit 2012 ist ein Energiemanagementsystem fester Bestandteil des Unternehmens; im Jahr 2018 ist die Firma zusätzlich nach DIN ISO 14001 für ihr Umweltmanagementsystem zertifiziert worden. Bereits drei Jahre zuvor hat sich Rheinfels Quellen dazu entschieden, eine partielle Eigenstromversorgung durch ein BHKW zu etablieren. Der hohe Wirkungsgrad durch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung war dabei der zentrale und ausschlaggebende Vorteil für die Installation. Aufgrund der Einsparung im Stromzukauf konnte eine betriebswirtschaftliche Plausibilität hergestellt werden. Installiert wurde damals ein BHKW der Firma MTU mit einer Leistung von 1.282 kWel.


Stromintensive Getränke-Produktion:
65 Prozent der Energie durch zwei BHKW gedeckt


Die E-Gabelstapler in Aktion.
Foto: RheinfelsQuellen

Die E-Gabelstapler in Aktion.
Foto: RheinfelsQuellen

Der Gesamtstrombedarf der Firma belief sich im vergangenen Jahr auf etwa 18.700.000 kWh – das ist viel, denn die Getränke-Produktion ist äußerst stromintensiv. Mineralwässer, Heilwässer, Limonaden und Schorlen: 700 Millionen Liter Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke werden pro Jahr bei einem der größten deutschen Privatbrunnen hergestellt. Ein mit 40 Prozent großer Anteil des Gesamtstrombedarfs, rund 8.000.000 kWh, wird durch die Eigenstromproduktion im BHKW bereits abgedeckt. Die Firma benötigt diesen hauptsächlich im Bereich der Produktion: Hallenheizung und Produktionsprozesse. Nur ein geringer Teil wird in der Verwaltung gebraucht.

Bis zum Jahr 2022 sollen alle 25 verbliebenen Stapler auf Elektro umgestellt werden.
Foto: RheinfelsQuellen

Bis zum Jahr 2022 sollen alle 25 verbliebenen Stapler auf Elektro umgestellt werden.
Foto: RheinfelsQuellen

Um den Anteil an selbst produzierten Strom auszubauen, geht RheinfelsQuellen nun einen Schritt weiter und plant ein zweites BHKW mit 1.000 kWel, welches im November 2020 an den Start gehen soll. Damit sollen weitere 25 Prozent der Gesamtstromkosten abgedeckt werden, so dass das Unternehmen in der Lage ist gut 65 Prozent des benötigten Stromes selber zu produzieren. Die geplanten Kosten für den Bau belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro. Die Einsparungen der Energiekosten lägen damit bei rund 315.000 Euro im Jahr.


Absorptionskälteanlage sorgt für Kühlung im Brauhaus


Mit einer Grundfläche von etwa 7.200 Quadratmetern und einer Höhe von 43 Metern bietet es Platz für 53.000 Paletten. 
Foto: SSI Schäfer

Mit einer Grundfläche von etwa 7.200 Quadratmetern und einer Höhe von 43 Metern bietet es Platz für 53.000 Paletten.
Foto: SSI Schäfer

Da der Strombedarf im Unternehmen groß ist, wäre stromseitig sogar eine größere Auslegung der BHKW möglich. Hierbei ist die Firma jedoch gleichermaßen von einer gesicherten Wärmeabnahme abhängig. Um diese zu gewährleisten, wird eine Absorptionskälteanlage installiert, welche die zur Verfügung gestellte Wärme energieeffizient in Kälte umwandelt, um so beispielsweise die Kühlung im Brauhaus zu gewährleisten. Das Unternehmen führt eine eigene Brauerei mit Brauprozess und ein „Brauhaus“ als Gastronomiebetrieb. Für die Brauerei wird eine Kälteanlage für die Prozesskühlung verwendet. Diese hat eine Kälteleistung von knapp 26 kW. Für die Bauereigaststätte werden Tiefkühlräume zur Lagerung von Lebensmitteln mit Kälte versorgt. Diese Kälteanlagen haben gesamthaft eine Kälteleistung von knapp 15 kW.


Energieersparnis wird auch in anderen Unternehmensbereichen forciert


2018 wurde dem Unternehmen der Mehrweg-Innovationspreis der Deutschen Umwelthilfe verliehen.
Foto: SSI Schäfer

2018 wurde dem Unternehmen der Mehrweg-Innovationspreis der Deutschen Umwelthilfe verliehen.
Foto: SSI Schäfer

Die intakte Natur, welche die Quelle im Naturschutzgebiet umgibt, in der 230 Vogelarten heimisch sind und sich sogar Störche und Rohrschwirle finden lassen, möchte das Familienunternehmen erhalten. Deshalb treiben sie die Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen voran: Am 21. Februar 2017 wurde das Richtfest eines groß dimensionierten Hochregallagers gefeiert, im September startete der Testbetrieb. Mit einer Grundfläche von etwa 7.200 Quadratmetern und einer Höhe von 43 Metern bietet es Platz für 53.000 Paletten. Dieses neue Lagerkonzept sorgt für eine Energieersparnis von circa 34 Prozent in der internen Logistik.

Durch den Bau des Lagers konnten 16 Gabelstapler eingespart und bis zum Jahr 2022 alle 25 verbliebenen Stapler auf Elektro umgestellt werden. Aktuell hat das Unternehmen schon 14 Stapler auf Elektro umgestellt und auch die verbliebenen 11 Dieselstapler sollen bald ausgetauscht werden. Zudem unterstützt das Unternehmen den BUND bei seinen Aufgaben in Sachen Umweltschutz in der Rheinaue. So wurde im Jahr 2019 eine Streuobstwiese gepflanzt, die im Jahr 2020 mit der Anpflanzung von Blühwiesen ergänzt wurde.


Energie-Scouts und umweltfreundliche Mehrweg-Verpackungen
für mehr Klimaschutz


Das neue Lagerkonzept von RheinfelsQuellen sorgt für eine Energieersparnis von circa 34 Prozent in der internen Logistik.
Foto: SSI Schäfer

Das neue Lagerkonzept von RheinfelsQuellen sorgt für eine Energieersparnis von circa 34 Prozent in der internen Logistik.
Foto: SSI Schäfer

RheinfelsQuellen setzt überdies drei Auszubildende als Energie-Scouts im Unternehmen ein, die Energie-Themen anstoßen und umsetzen, Wünsche und Anregungen aus der Mitarbeiterschaft aufnehmen und auch eigene Ideen umsetzen. So erinnern im Betrieb beispielsweise kleine Sticker mit fünf verschiedenen Motiven daran, auch im Arbeitsalltag an der einen oder anderen Stelle Energie zu sparen. (Mehr Informationen zum Projekt Energie-Scouts).

Auch ressourcenschonende Mehrweg-Verpackungen sind für das mehr als 100-jährige Unternehmen ein wichtiger Baustein, um mehr Umweltschutz zu gewährleisten. Die Deutsche Umwelthilfe e.V. und die Stiftung Initiative Mehrweg verliehen Rheinfels Quellen 2010 für ihren Mehrweg-Individualkasten mit der GDB-Glasperlenflasche den Mehrweg-Innovationspreis. Auch auf europäischer Ebene werden die innovativen, herausragenden Leistungen zur Förderung und Verbesserung umweltfreundlicher Mehrweg-Systeme durch den Mehrweg-Preis (European Refillable Award) anerkannt. Im Jahr 2018 wurde dem Unternehmen erneut der Mehrweg-Innovationspreis der Deutschen Umwelthilfe verliehen, dieses Mal für den 0,75-Liter-Glasflaschen und 0,5-Liter-Mehrwegkasten.

 


Ansprechpartnerin


Verena Barton M. A.
Kommunikation
EnergieAgentur.NRW
0202 24552517
barton@energieagentur.nrw